Der Freie Mensch

Einheit von Sein und Handeln

Nach dem üblichen Klischee ist ein freier Mensch einer, der tut, was er sich ausgedacht hat. Das ist natürlich Unsinn, denn damit bestünde eine solche Person aus zwei Instanzen: einer, die etwas kontrolliert, und einer, die kontrolliert wird bzw. ausführendes Organ der kontrollierenden Instanz ist. Ein solcher Mensch wäre tief gespalten — und genau das ist der von seinem Verstand gelenkte Durchschnittsmensch.

Bei einem freien Menschen sind Handeln und Sein identisch: das Handeln entspringt dem Sein und ist dessen direkter und ungehinderter Ausdruck. Zugleich handelt das Ganze durch dieses Sein; es gibt keine Kluft zwischen dem Wirken des Ganzen und dem Wirken des Individuums — das Individuum ist Ausdruck dessen, was das Ganze in einem einzelnen Körper vermittelt.

Der Schamane ist ein freier Mensch, der alle Einschränkungen des Durchschnittsmenschen hinter sich gelassen hat: Moral, Konditionierungen, Anpassung und Gläubigkeit. Damit ist er Vehikel der universellen Lebenskraft, so wie sie sich in der speziellen Manifestation seines Körper-Geist-Systems ausdrückt. Und er ist damit heil und integer, mit reinem Gewissen.

Das Verhaltensdilemma und seine Folgen

Ein freier Mensch überlegt sich nicht, wie er sich verhalten soll; er geschieht. Dasselbe gilt auch für den Durchschnittsmenschen, nur hat dieser enorme Probleme, das, was durch ihn hindurch geschieht, als berechtigt und natürlich anzunehmen. Sondern sein Verstand kämpft — als verlängerter Arm der gesellschaftlichen Konditionierung — ständig dagegen an und erzeugt einerseits Zweifel, Schuld, Scham und Sorge, und andererseits Spekulationen und Erwartungen auf Belohnung und Beglückung.

Genau genommen ist es dieser ständige innere Kampf gegen die eigene Natur und das eigene spontane Wollen, der den Menschen verstrickt und unfrei werden läßt.

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