Was wird gemeinhin, im Alltagsleben, unter einer "Schulung" verstanden wird? Es handelt sich um:
Was bedeuteut das? Es wird etwas angelernt und eingeübt, oft durch Wiederholung. Das so Gelernte wird dann per Analogie auf zukünftige Situationen übertragen. Man handelt also quasi immer, indem man sich an Leitlinien aus der Vergangenheit orientiert.
Im Bereich rationaler Fähigkeiten mag das angebracht sein. Im seelischen Bereich ist es Gift und führt zu Konditionierung. Konditionierung wiederum führt stets zu einer Begrenzung der Perspektive. Man eignet sich ein bestimmtes Weltbild an. Das ist also genau das, was in den erstorbenen Pseudoreligionen und in politischen und sonstigen weltanschaulichen Gruppierungen mit den Leuten gemacht wird.
Die "Schulung" in einer echten Schamanenschule geschieht durch das Leben selbst.
Der Schamane wird nicht zu einem Schamanen gemacht, sondern er ist bereits vom Leben und vom Schicksal dazu ausgewählt. (Aufgrund der ihm leider auch bevorstehenden großen psychischen Anforderungen und unvermeidlichen inneren Konflikte während des Prozesses kann man auch sagen: Er ist dazu verdammt.) Die Frage ist einfach nur die, ob er sein Schamane-Sein zulassen und entfalten kann, oder ob es in ihm verkümmert und ihm dann dauerhaft Leid und Zwiespälte verursachen wird.
Sein Potential will heraus und sich entfalten, sich ausdrücken, sich betätigen. Damit erfüllt sich quasi die Bestimmung seiner physisch-psychischen Manifestation in Zeit und Raum, denn in Wirklichkeit ist jeder zeitloses, unveränderliches Bewußtsein, das wie ein fester Bezugspunkt all diese Vorgänge nüchtern und unvoreingenommen betrachtet.
Die Wahrheit ist in jedem Sich-Entfaltenden bereits keimhaft enthalten und braucht nur entdeckt und zugelassen zu werden.
Sie wächst und entwickelt sich dann nach ihren eigenen Gesetzmäßigkeit (nicht nach von außen hinzugebrachten Maßstäben oder Zielsetzungen!).
Erst hier zeigt sich der Wert und die Bedeutung einer guten Begleitung. Die Hilfe der Begleitung besteht darin, den ablaufenden Prozeß der Entfaltung als solchen zu erkennen und zuzulassen, statt ihn, wie es der Unwissende fast automatisch tun wird, zu verleugnen und abzulehnen.
Die Begleitung kennt den Prozeß, weil sie ihn selbst bereits durchlaufen hat. Dennoch durchläuft jeder seinen ganz individuellen Prozeß. Es gibt eine gewisse, im groben Sinn gemeinsame, Dramaturgie, aber mitteilen, welcher Schritt als nächstes nötig ist, kann auch der Begleitende seinem Schützling nicht. Er kann ihm nur Mut machen und ihm bei Passagen großer Zweifel und innerer Nöte kollegial zur Seite stehen. All das hat nicht das Geringste mit Lehren zu tun, ja nicht einmal mit der herkömmlichen Art des Helfens.
Startseite |
Zum Verständnis des Schamanentyps (Inhalt)
Copyright © 2012 Gerd-Lothar Reschke